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Schlaganfallbehandlung auch in Pandemiezeiten unerlässlich

|   Covid-19

Emden. Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen und im schlimmsten Fall Tod – ein unbehandelter Schlaganfall hat drastische Folgen. „Schlaganfall-Patienten dürfen ihre Symptome nicht auf die leichte Schulter nehmen“, erklärt Prof. Dr. Thomas Büttner, Chefarzt der Neurologie am Klinikum Emden. „Auch in Zeiten der Corona-Pandemie darf ein Schlaganfall nicht unbehandelt bleiben.“ Mit der Stroke Unit bietet das Klinikum Emden eine spezialisierte Behandlungseinheit für Schlaganfälle, auf der die Patienten dank jahrelanger Erfahrung und eines hervorragend ausgebauten Netzwerks optimal versorgt werden.

Viele Schlaganfallpatienten fürchten sich in der aktuellen Pandemiesituation vor dem Gang ins Krankenhaus. Selbst bei akuten Symptomen wie starkem Kopfschmerz oder Schwindel, Seh- und Sprachstörungen oder Taubheitsgefühlen in einer Körperhälfte sowie Lähmungserscheinungen verzichten sie auf die Behandlung. Während des bisherigen Höhepunkts der Covid-19-Ausbrüche im März und April wurden auf der Stroke Unit im Klinikum Emden nur ca. 75 % der sonst üblichen Patientenzahlen behandelt und auch eine Häufung verspäteter stationärer Zuweisungen war zu verzeichnen. Dabei können die Folgen eines Schlaganfalls gravierend sein. Oft ruft die plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn bleibende Schäden hervor. Die meisten Schlaganfälle sind Folge einer Ischämie. Dabei kommt es durch eine Verengung oder den Verschluss eines Blutgefäßes zu einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Nährstoffen. In einem Zeitfenster von vier Stunden kann das Gefäß mittels einer Fibrinolyse, einer Wiedereröffnung des Gefäßverschlusses durch Medikamente, therapiert werden. Eine schnellstmögliche Einleitung der Behandlung nach Ankunft im Krankenhaus ist unerlässlich. Die zwingend erforderlichen diagnostischen Maßnahmen müssen daher zügig durchgeführt werden. Im Klinikum Emden gelingt das meistens innerhalb von 30 Minuten. „Damit ist das Klinikum Emden doppelt so schnell wie der Durchschnitt der neurologischen Kliniken in Deutschland“, betont Chefarzt Prof. Büttner.

Auch die Teilnahme am Neurovaskulären Netzwerk in Zusammenarbeit mit den Neurologischen Kliniken Westerstede, Oldenburg und Sande ermöglicht eine schnelle, fachgerechte Behandlung. In dem Netzwerk werden die Diagnose- und Behandlungsstrategien standardisiert. Untersuchungen der Universität Münster konnten zeigen: Innerhalb des Netzwerkes ist die Behandlungsqualität des Schlaganfalles besser als im Durchschnitt der Kliniken in anderen Regionen Deutschlands. Die Neurologische Klinik in Emden weist eine hohe Erfolgsrate in der Schlaganfallbehandlung auf. 2019 lag die Sterblichkeitsrate nach Schlaganfall im Klinikum Emden im Durchschnitt ca. ein Drittel niedriger als im Mittel der Vergleichskliniken. „Da die Behandlungsansätze der Stroke Unit tatsächlich für alle und nicht nur für einen kleinen Teil der Schlaganfallpatienten infrage kommen, ist diese Therapiestrategie in der Summe als die am besten wirksame Therapie anzusehen“, erklärt Prof. Büttner. Er rät allen Patienten, sich nicht von der aktuellen Situation abschrecken zu lassen. Die Sicherheitsmaßnahmen im Klinikum Emden erfüllen höchste Standards, um die Infektionsgefahr zu minimieren. Ein unbehandelter Schlaganfall hingegen richtet mit hoher Wahrscheinlichkeit dauerhaften Schaden an.

Arbeitssituation auf der Emder Stroke Unit vor der Coronapandemie.
Prof. Dr. Thomas Büttner, Chefarzt der Neurologie am Klinikum Emden